Alkuin: „De virtutibus et vitiis“


Alkuin
De virtutibus et vitiis
zwische 800 un 804.

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Grundlag vum Text isch d Online-Uusgab im Referenzkorpus Mittelhochdeutsch (1050–1350). Sälli digital Version basiert uf dr Uusgab vum Friedrich Wilhelm (München 1914/16).

DE SAPIENTIA· Uór állen dingen ſol menneſche
er uorſcon uuelichiu ſîge diu wâre gewízzeda· unte diu
wâre wîſheit· wante diu uuîſheit dirre werlte· iſt ein
tumbheit uoregote· Diu wâre gewizzede iſt· daz du dich
pechereſt uon den ſunton· die deſ tiuuelſ dieneſt ſint· unte
diu wâre wîſheit iſt· daz du gót ûbeſt· nach der warheit
ſiner gebote· Indiſen zeuuandingen· ſo wirt der ewige
lîb gewnnen· Alſe dauid ſprichet· “Chere dich uondem
ubele. unte tûo dazguôt· wan ez en genûget neheineme
daz er daz ubel uermîdet· erne welle daz guôte tuon.
noch en hilfet niecht daz er daz guôte tûot· erne uvelle
daz ubele uerlâzen. Aller der ſuſ uuîſe iſt· der iſt ane
zwiuel îmer ſalich· Daz iſt auer der ſalige lîb· daz tu
gót erchenneſt.” DE FIDE· Diu channuſſe deſgoteſ· unte
diu gewízᷦede der warhêite· diu ſcoltu auer gelirnan
durch die allichen geloube· wan ane ſie ſo ne mach nͥemen
gotegelichen· Der iſt warliche ſâlich· der inder rechtun
geloube uuol lébeth· unt indemo guoten lébenne
die rechtun geloube behûtet· wan alſo diu geloube ubbik
iſt ane guotiu uverch· alſo ſint diu guoten werch niecht
ane rehte geloube· Dannan ſprichit ſcs̄iacobꝰ mineſ
trehteneſ bote alſuſ· “Wazhilfet minebroͮdere obir ſprecchent
daz ir geloubich ſigent· en habent ir der guoton
werche nichtꝯ Mak denne diu geloube imen behalten.
diu nieht iſt an diu werchꝯ Alſo der lichaname er ſtírbet
ſo der geiſt in uerlât· alſo iſt diu geloube tôt· ſo ſiu
der werche niene hât·” DE CARITATE·
In allen goteſ geboten iſt diu minne dehereſte· ane die
ſo ſc̄ſ pauluſ ſprichet daz gote nieth gelichen muge· da
er ſprichet daz weder diu mártere· noch dirre werlte
uermanunge· noch almuoſen wrume sîge· an die minne·
Dannan ſprach ouch got ſelbo· do in der wiſe iûde urâgete·
welehez uuare daz maieſte gebot inder ewe· “Du minnegeſt
dinen gót uon allemo dineme herzen· unte uon
aller diner ſela. unte uon allem dinem muote· unte minnegeſt
dinen naheſten alſo dich ſelben· In diſen zeuuein
geboten ſo hanget ellu div· é· unte aller der wîſſagone
bûoch· Diſiu minne diu geſtêt in derbehuotunge dergoteſ
gebote·” alſo er ſelbo ſprichet· “der mich minnet der
behaltet mine réde·” So ſprichet ôuch ſc̄ſ iohs. “Wir haben
dazgebot uone gote· daz der got minnot· daz er
ouch ſinen naheſten minnon ſcol· Wildu auer wizzen
wer din naheſte ſîgeꝯ daz iſt ain igelich geloubigêr
wane wir werden alle indemo toufe zegoteſ chinden
geheiligôt· daz uuir geiſtliche gebrudere ſîgen. inder
durnachtigun minne· Diſiu geiſtliche geburt iſt uil
micheleſ édelere danne diu uleſchliche· Nu gelirne menneſche
welihu ſigen diu goteſgebot· unte behûteſe alſo
uile er megi. wante ſomager einerhafte gehen· daz er
die goteſ minne habe·” DE SPE·
Sc̄s Pauluſ lêret unſich driu dinch notdurftigiu unſerre
ſêle· da er ſprichet· “Driu ſint. degeͩinge· unte gelôube·
unte minne· der drîe iſt aller maiſte diu minne·
Daz iſt diu rechte gedinge· daz niemen ſîge· ſwîe uil
er geſuntot habe· daz er uon diu minéſ trechtineſ
gnaden miſſe truve· ſunter daz er indemo gedingen
ſiner rebarmede antlazzeſ bítte· Zemo antlazze mugen
auer diegedingen die uon ubelen werken wellen geſtillen·
wane wir ne ſculen durch deſ antlazzeſ gedingen
daz unreth weder tuvn noch minnen· unte obe wir ez
auer getun· ſone ſculin wir goteſ gnadon nieht miſſetrûon·
Vnte nieht einer haft in unſeren ſunton. ſunter
in allen unſeren arbeiten ſculn wir in demo gedingen
goteſ helfe en beiten·” DE PACE·
Do der goteſ ſun hinnan ze ſineme uater wider wor.
dͦgaber ſinen iungeron zeinerſunter lichun gebe· diu
gebot deſ wrideſ· da er zin ſprach· “Ich gibiu minen wríde·
ich laziu minen wride·” Do er von in wͦr. do liezzer
ſie umbedaz in demo wride· daz er ſie ouch uvolte uinden
indemo wride· Deſ wrideſ hêrſcaft zeiget er in einer
anderer ſtete· da er ſprichet· “die ſint uile ſalich· die
vvrideſame ſint· wante ſie geheizzen uverdent goteſ
chint· Die ne wellen nieth werden goteſ chint· die unuurideſame
ſint· Wir ſculen auer daz wizzen daz dirre
wride iſt zehabenne mitten guoton unt den rehton.
nieht mitten un rehton· die den ublen wride untrin
hant in ir ſunton· Daz ſculen uuir auer ſo tun· daz
wir ſie ſelben nieth hazzen· ſunter ir unreth· vvane
ſigen ouch ſie ubel ſie ſint iedoch goteſgeſca􀲏· Der uuride
den wir auer mitten guoten haben· der geſtatit die
ebenhellin unt die bruderlichun minne· wante er iſt
ein muoter der minne· Diſen wride behûten mit aller
unſerer chrefte· wante er iſt ain brutteſalin der geſunlichen·
unter ungeſunlichen uigente·” De Miſericordia·
Daz guot der rebármede· daz iſt uile hêre· wan dannan
ſprichet der goteſ ſun unſer haltere· “Die ſint uile ſalik·
die barmherzze ſint· wante die goteſ erbarmede gewinneN T·”
Nehein menneſke endarf auer zedirre goteſ erbarmede gedingen·
der erbarmede nie wil erbítten ſineme wideruuinnen.
Vondiu uergeben wir unſeren uigeten die
zitlichun ſculde· daz uuir gewinnen mugin die ewigun
goteſ hulde· Wane wie getar menneſke ándereſ uone gote
ſineme herren der gnâdon gebitten· erne welle ouch
gnade ſineme ebenſcalche erbitten· Zedirre erbarmede·
ſcuntet unſich gót ſelbo· da er ſprichet in ſinemo euglio·
“Weſênt gnadic alſo iuver himeleſker uater iſt gnadic͛. der
ſinen ſunnen lât ſkinen uber guote unte uber úbele· unte
der régenot uber rehte unte uber unrehte· In eineme igelichen
urteildare ſcol erbarmede unte meigiſterſcaft ſin.
wane irne wederez mak wol ane daz ander ſin. Wane iſt
ein diu ſicherheit anîme· diu gebirt die ſicherheit zeden
ſunton· hater auer aine die ſerpfin· dermaiſterſcefte· diu
machet die untertanen miſſetruik der goteſ gnâdon· Diſe
erbarmede ſcol menneſke aller ereſt ime ſelben erbítten·
wane wie mak der eineme andereme gnâdik ſin· der íme
ſelben grimme wil ſîn/ꝯ Der iſt inſik ſelben grimme· der
mit ſinen ſunton garnat den ewigen tôt· Vone diu beginnen
dirre gnâde annunſelben· unte behûten unſich uile
gnote· daz wir en flihen die helle nôte· De Indulgentia·
Gót gebiutet unſ inſineme euglio· daz wir uergeben· ſo werde
ouch unſ uergeben· Vnte ſprichet en wellen wir unſeren
ſcóleren nieth uergeben· ſone uuerden ouch unſ unſere ſculde
nieth uergeben· In dirre goteſ réde mugen wir die uil
michelun ſine guotin bechennen. daz er daz an unſere ſelbchur
lât· obe wir wellan daz unſ unſere ſculde werde rât·
wane alſo wir ertéilen· alſo werden ouch uvir erteilet· Vone
diu tugen alſo unſik ſc̄ſ Pauluſ manet· da er ſprichet·”Vergebent
ain anderen ſuaz ir wıeͩ r ſie hâbent· alſo iu gót
durch ſinen ſun uergeben habe iuuer unreht· Vnte en lant
iuch niecht uber wnten werden uondemo ubele· ſunter ir uberwintent
mitdemo guoten daz ubele·” Daz ſculen wir uaſte
gelouben daz gót unſer gebet niemmer uer niemet· unze er
in unſ deheinen ummuot wider imen ſihet· De patientia·
Min trehten ſprichet indem evglio zuo unſ· “Indergedult beſizzent
ir ivver ſele· wane ſo uvir durch die gedult gelirnen
wie wir unſik ſculen gedoubon· ſo beſizzen wir allerêreſt
daz wir ſelbe ſigen· In alleme unſereme lebenne· bedurfen
wir der gedúlte· wane alſo wir ſculen uertragen obe
unſik got mit deheiner note ruochet zēmanene· alſo ſculn
wir gedultig ſin· ſo uvir uon unſereme ebenmenneſc͛hen áhteſalin
líden. Wane dazgeſchihet ofte· daz guoten werdent
gemúeth· uone diu ſculen ſie auer nieth gedenchen

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