Renward Brandstetter

Dialäkt: Züritüütsch

De Renward Brandstetter oder uf Luzëërntüütsch Rämmert Brandstetter (* 29. Juni 1860 z Möischter; † 17. April 1942 z Lugano) isch en schwyzerische Spraachwüsseschafter gsy. Er hät zum alte und zum nöie Luzëërntüütsch gschribe, wäge spaatmittelalterliche Wokabulaarie, über d Luzëërner Ooschterspiil und zu volchskundliche Theeme. Under em Pseudonym Rämmert vom Mösli hät er au Tialäktliteratuur verfasst. Bsunders vil hät er dänn aber au zun auschtroneesische Spraache publiziert, und au zur Allgimäine Spraachwüsseschaft isch s äint und s ander usechoo.

s Brandstetters Underschrift

Em Rämmert syn Vatter isch de Josef Leopold Brandstetter gsy, en Aarzt, Erzieigsraat, Gschichtsforscher und Matematikleerer. De Rämmert sälber hät z Luzëërn d Matuur gmachet und dänn z Basel und z Läipzig Filology gstudiert. Syni Dissertazioon vo 1883 isch über Die Zischlaute von Bero-Münster gsy. Dëë Titel isch aber äigetli nu en Voorwand gsy, zum ales Mügli wäge Woort und Forme, wo halt zuefelig en Zischluut händ, uusbräite. Spööter isch er dänn Leerer a de Kantonsschuel z Luzëërn gsy. In a s Schwyzerisch Idiotikon z hole, isch 1908 gschyteret; ali Redaktoore händ gschlosse mit de Chündigung trooet, wänn de Läitend Uusschuss und de Scheffredakter Albert Baachmen im en Loo zaltid, wo vill hööcher wëër, weder as iren isch.[1]

De Brandstetter isch en unglaublich flyssige Spraachwüsseschafter gsy. Er isch doozmaal sicher de bescht Gchänner vo der altschwyzerische Kanzleispraach gsy und hät au d Grundlaage vo de Luzëërner Theaatergschicht gläit. Und glych: Er hett schuurig gëërn en Leerstuel an eren Universitëët ghaa. Dëë hät er aber nie überchoo, und so hät er si vo de schwyzerische Spraach abgwändet und isch – aagregt vo sym Basler Leerer Franz Misteli und spööter vom G. K. Niemann – ganz zun auschtroneesische Spraachen übereggange. Mit dene Forschigen isch er internazionaal birüemt woorde. En Groosstäil vo de Fachliteratuur, wo de Brandstetter gschribe hät, hät drum nüüt mit em Schwyzertüütsch z tue. Das ghäisst aber nöd, das syni Aarbete zum Schwyzertüütsch weniger wärtvoll wëëred.

Me wäiss us syneren Autobiografy, das er rächt entüüscht gsy isch, nu as Privaatgleerte chöne z forsche. Edërewääg sind syni Aarbete au nöd esoo waargnaa woorde, wie-n-er sich das gwünscht hett und wie s au grächt gsy wëër. Äigetli isch de Brandstetter de Bigründer gsy vo de verglychende Luutleer vom auschtroneesische Woortschatz, aber d Loorbeere hät en anderen überchoo, nämli der Otto Dempwolff, wo äifach besser vernetzt gsy isch.

De Rämmert Brandstetter hät ganz humanistisch tänkt. Er hät nöd nu abstrakti Wüsseschaft gläischtet, sondern de Mäntsch im Zäntrum gsee. S isch tipisch für en, das de Haupttitel vo syneren umfangryche Monografye-Räie «Wir Menschen der indonesischen Erde» gluutet hät. Er isch gäge de Kolonialismus gsy und hät si gwäigeret, «Niderländisch-Indie» z säge, wie s doozmal äigetli ganz normaal gsy wëër, sondern er hät ganz modern vo «Indoneesie» gschribe. Iedes eurozäntrisch Tänken isch em frömd gsy.

Zwäimaal hät me de Brandstetter geert: 1913 isch er Eerebürger vo Luzëërn woorde, und 1921 hät em d Uni Gämf der Eeretokter gschänkt.

Der Walter Haas, wo sich vil mit em Brandstetter usenandgsetzt hät, hät gschribe:

«Brandstetter war ein Gelehrter von starker Intuition und Einfühlungsgabe, die sich mit einem hohen Gefühl für das Menschliche verbanden. Diese Charakterzüge verwirklichten sich am schönsten in seinen Mundarterzählungen. Auch als Wissenschaftler wandte er sich immer mehr vom rein philologischen Standpunkte ab. Stets deutlicher rückte der Mensch in den Mittelpunkt seines Forschens. Davon zeugt etwa der Haupttitel seiner umfangreichsten Monographien-Reihe Wir Menschen der indonesischen Erde.» – Walter Haas, Lozärner Spròòch, 1968, S. 53.

Wëërch

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Publikazioone zur alemanische Spraach und Kultuur

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Für s Alemannisch hät de Rämmert Brandstetter ganz Grundleggends gläischtet. Viles daadevoo isch hüt na wichtig und intressant:

Kanzleispraach und elters Schwyzertüütsch
  • Das Ebingersche Vocabolarius 1438. I: Archiv für das Studium der neuern Sprachen 72, 1884, 427–432; 73, 1885, 99–105.
  • Blasphemiae accusatae, aus den Luzerner Ratsprotokollen von 1381–1420. I: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 30, 1886, 399–414.
  • Das angesehenste Luzerner Kirchenlied. I: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 1886, 198–203.
  • Der Vocabolarius Beronensis. I: Der Geschichtsfreund 41, 1886, 198–203.
  • Glossen des 14. Jahrhunderts aus Beromünster. I: Archiv für das Studium der neuern Sprachen 75, 1886, 478.
  • Renward Cysats Vocabularius. I: Der Geschichtsfreund 42, 1887, 266–270.
  • Prolegomena zu einer urkundlichen Geschichte der Luzerner Mundart. I: Der Geschichtsfreund 45, 1890, 201–284.
  • Die Reception der neuhochdeutschen Schriftsprache in Stadt und Landschaft Luzern 1600–1830. I: Der Geschichtsfreund 46, 1891, 193–282.
  • Die Luzerner Kanzleisprache 1250–1600. Ein gedrängter Abriss mit spezieller Hervorhebung des methodologischen Momentes. I: Der Geschichtsfreund 47, 1892, 225–318.
  • Wie man im alten Luzern sprach und schrieb, 1200–1800, Mundart, Schriftsprache, Kenntnis fremder Sprachen, Rotwelsch. I: Vaterland 1892, 211–213.
  • Die Mundart in der alten Luzerner Dramatik. Ein Beitrag zur Methodik der mundartlichen Forschung. I: Zeitschrift für hochdeutsche Mundarten 3, 1902, 1–26.
rezänts (und elters) Schwyzertüütsch
  • Die Zischlaute der Mundart von Bero-Münster. Dissertazioon Uni Basel, Äisidle 1883.
  • Der Genitiv der Luzerner Mundart in Gegenwart und Vergangenheit. Züri 1904 (Abhandlungen hg. von der Gesellschaft für deutsche Sprache in Zürich 10).
  • Die Katze im Schweizerdeutschen und im Indonesischen. Eine sprachwissenschaftliche und volkskundliche Parallele. I: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 20, 1916, 1–6.
Theaatergschicht
  • Zur Technik der Luzerner Osterspiele. I: Allgemeine Schweizer Zeitung, 1884, 291–295.
  • Das Luzerner Fasnachtsspiel vom Jahre 1592. I: Zeitschrift für deutsche Philologie 17, 1885, 347–365.
  • Die Figur der Hochzeit zu Kana in den Luzerner Osterspi[e]len. I: Alemannia 13, 1885, 241–262.
  • Die Technik der Luzerner Heiligenspiele. Die Kreuzerfindung von 1585. I: Archiv für das Studium der neuern Sprache 74, 1885, 69–82.
  • Musik und Gesang bei den Luzerner Osterspielen. I: Der Geschichtsfreund 40, 1885, 145–168.
  • Ueber Luzerner Fastnachtsspiele. I: Zeitschrift für deutsche Philologie 17, 1885, 421–431.
  • Die Luzerner Bühnenrodel. I: Germania 30, 1885, 205–210. 325–350; 31, 1886, 249–272.
  • Die Regenz bei den Luzerner Osterspielen. Luzëërn 1886 (Beilage zum Jahresbericht über die Kantonsschule und die Theologie zu Luzern für das Schuljahr 1885/86).
  • Die Technik der Luzerner Heiligenspiele. Das Spiel von 1549. I: Archiv für das Studium der neuern Sprachen 75, 1886, 383–418.
  • Zu den Luzerner Dorfspielen (im 18. Jahrhundert). I: Zeitschrift für deutsche Philologie 18, 1886, 459–477.
  • Die Aufführung eines Luzerner Osterspiels im 16./17. Jahrhundert. Zum Teil nach originalen Quellen. I: Der Geschichtsfreund 48, 1893, 277–336.
  • Die altschweizerische und speziell luzernische Dramatik als Quelle für volkskundliche Forschungen. Ein Vortrag. I: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 8, 1904, 24–36.
Volchskund (lueg au oben under Theaatergschicht und under rezänts Schwyzertüütsch)
  • Die Wuotansage im alten Luzern. I: Der Geschichtsfreund 62, 1907, 101–160. [e Zämestelig vo Täggschtquäle.]
  • Renward Cysat 1545 bis 1614. Der Begründer der schweizerischen Volkskunde. Luzëërn 1909.
  • Eine Trilogie aus Rechtsleben und Volkspsychologie Alt-Luzerns zur Zeit der Sempacher Schlacht. I: Der Geschichtsfreund 73, 1918; 75, 1920; 87, 1933.
  • Die Hirse im Kanton Luzern: auf vergleichender Grundlage dargestellt. I: Der Geschichtsfreund 72, 1917, 69–109.
Leenwoort
  • Drei Abhandlungen über das Lehnwort. Luzëërn 1900 (Beilage zum Jahresbericht über die Höhere Lehranstalt in Luzern für 1899/1900).
  • Das schweizerdeutsche Lehngut im Romontschen. Luzëërn 1905 (Rätoromanische Forschungen 1).
Äigni Dichtig
  • Verschideni Gschichten i de Heft 31/32 und 48 vo de Reihe Schwyzerdütsch, wo der Otto Sutermeister useggëë hät.
  • D Möischterer und de heilig Sant Michel. Puuretüütschi Gschichtli vom Rämmert vom Mösli. Useggëë vom Walter Haas. Hitzkilch 1980 (Luzerner Poeten 2).

S Brandstetter-Gsetz

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Scho i synere Dissertazioon hät er au es Akzäntgsetz enteckt, wo hüt syn Name träit (Brandstettersches Gesetz).[2] Im Alemanisch – und welewääg au susch umenand – gits nämli es Spraach«gsetz», wo säit, das i zämegsetzte Woort d Vokaalquantitëët (aso d Lengi vom Vokaal) vom Bestimigswoort, wän si hischtoorisch lang isch, gchürzt und, falls vorhande reschpäktyv mügli, de poschtvokaalisch Konsonant (aso de Konsonant nach em Vokaal) vom Bestimigswoort lenisiert, das ghäisst wäich wird. Byspiil sind öppe *Groossmueter > Grosmueter, *Braat-/Brootwurst > Brad-/Brodwurst, Schuemacher > Schumacher, Stadtraat/-root > Stadraat/-root. D Gültigkäit vo dëre Luutregle schwanket aber vo Woort zu Woort, vo Tialäkt zu Tialäkt und vo Sprächer zu Sprächer.[3]

Literatuur über de Brandstetter; Autobiografy; Bibliografy vo syne Wëërch

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Fuessnoote

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  1. Walter Haas: Das Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache. Versuch über eine nationale Institution. Useggëë vo de Redakzioon vom Schwyzertüütsche Wöörterbuech. Huber, Frauefäld 1981. S. 74.
  2. Renward Brandstetter: Die Zischlaute der Mundart von Bero-Münster. Fil. Diss. Uni Basel. Benziger, Äisidle 1883, S. 105 f.; spööter namaal i: Prolegomena zu einer urkundlichen Geschichte der Luzerner Mundart. Benziger, Äisidle 1890, S. 62 f.
  3. Lueg daadezue au im Spraachatlas vo de tüütsche Schwyz, Band II 79 f., naa und dän bsunders au i de verschidene Bänd vo de Räie Byträäg zur Schwyzertüütsche Gramatik, öppe zum Luzëërner Äntlibuech de Band VII, im Aahang zum § 72. E 47-sytigi, nie publizierti Abhandlig über s Brandstetter-Gsetz hät de doozmaalig Gërmanischtikstudänt Kurt Meyer 1943 gschribe; si lyt i de Biblioteek vom Schwyzerischen Idiotikon.