Dialäkt: Bodeseealemannisch
Alemannisch.png

Bodeseealemannisch oder Mittelalemannisch schwätzt mer im Oschtdeil vum niideralemannische Sprochruum.

Inhaltsverzeichnis

D Alemanne am BodeseeBearbeite

Im Johr 15 v. Chr. hot de Kaiser Auguschtus d Unterwerfung vu de Kelte und Rhäter bfohle. Denn hond d Römer am Bodesee Kaschtelle in Bregenz, Arbon, Eschenz und Konschdanz aaglegt. Scho um 260 n. Chr. isch es nördliche Ufer vum Bodesee vu de Alemanne ignomme worre. Erscht am End vum 4. Johrhundert n. Chr. hond d Alemanne de Raum bis zu de Alpe ibbernomme.[1]

Gegende und UsbreitungBearbeite

D Nordgränz vum Bodeseealemannisch bildet s Schwebische, im Weschte stoßt es Bodeseealemannisch ufs Oberrheinalemannisch, im Süde uf es Hochalemannisch (Südalemannisch).[2][3] Mit em Namme Bodeseealemannisch firs Niideralemannisch im Oschte sind ville it z fride. Aber seller Usdruck isch anno 1983 durch de Hugo Steger un de Karlheinz Jakob ind Sprochwisseschaft (Dialäktgeografi) igfiehrt und anerkannt worre und wird drum weiter verwendet. Am Schweizer Südufer vum Boddesee wird bis uff Usnahme hochalemannisch und it Bodeseealemannisch gschwätzt. Drum isch de Usdruck Boddeseealemannisch fir d boddeseeferne Alemanne vu Villingen oder Liechtenstein it so leicht zum verstande.[4]

Es Bodeseegbiet hot in sinem Sprochraum immer Iflüss vu de fünf Länder, wo aan de See aagrenzet und wo d Verwaltungsleut her kummet: Bade, Wirtteberg (heut Bade-Wirtteberg), Bayern, Öschtreich, Schweiz.[5]

Im nördliche BodeseeumlandBearbeite

S nideralemannisch Bodeseeumland und -vorland im Uhrzeigersinn vu Öhninge ibber d Höri uf Radolfzell, Reichenau, Konschdanz, Bodme-Ludwigshaffe, Sipplinge, Iberlinge, Meerschburg, Hange, Immeschdaad, Fridrichshaffe, uff de Insel Lindau bis Bregez. Selbscht im Hinterland vum Bodesee wird in Salem, bis zuem Berg Högschte, in Markdorf, Tettnang und im Oberschwäbische in Raveschburg Bodeseealemannisch gschwätzt. D meischte Mitglider vu de Narrevereinigung Hegau-Bodesee schwätzet Bodeseealemannisch.[6]

 
Besitzunge vum Hochstift vu Konschdanz am Bodesee 1784

Versprenkelt in de SchweizBearbeite

Uff de Schwizer Seite ghert s Bodeseevorland it dezue - usser em Zipfel um St. Margrethe. Aber in onnige Gmeinde am Schweizer Ufer vum Untersee, bsunders Triboltinge, Ermatinge, Mannebach, Steckbore und Eschez wird bodeseealemannisch gschwätzt. Selle Gmeinde hond zum Einflussbreich vum Kloschter Reichenau oder zu dem vu de Firschbischöfe vu Konschdanz ghört und sind erscht 1798 zum Schwizer Kanton Thurgau kumme.[7]

Uf de andere Sitte zellet Gegende im Schwarzwald oder z Voradelbärg dezue, wu sich it zum Bodesee zueghörig fielet.

Noch em OschteBearbeite

Zum Bodeseealemannische dezue ghört de nideralemannisch Deil vum Allgai mit Sonthofe.

In Öschtreich schwätzet se es Bodeseealemannische vu Bregenz mit em ganze Voradelbärg bis nach Landeck. It dezue ghört es große und gleine Walserdal.

Dezue ghört es Land Liächtestei mit Vadoz.

Noch em WeschteBearbeite

Vum Bodesee gohts in em schmale Gebietsstreife ibber Stockach, Tuttlinge, Enge bis nach Donaueschinge, Villinge-Schwenninge,[8] Triberg im Schwarzwald, Blumberg aan de Wutach an dem, was mer "Schwarzwaldschranke" nennt, weiter. Des isch en Bund vu Isoglosse, wo in Nord-Süd-Richtung verlaufet; do grenzet (Wescht/Oscht) Stei/Stoa, Matte/Wise, si mähe/si mähet und andere anenand.

Noch em SüdeBearbeite

De Obberlauf vom Fluss Wuètè, d Wuètèschlucht, isch e Sprochgränz nach em Süde. Ab Achdorf gòt disèll Isoglossè südöschtlich witer zimli gnau übber Füètzè bis zum Hochè Randè, wo si uff diè dütsch-schwizer Gränz drûfft. Uff èm Randè un öschtlich im Hegau schnörred mò schu meeheitlich Boddèseealemannisch. Diè Isoglossè isch it scharf ygränzt, sondern volauft in èm meereri Kilometer breitè Übbergangsband, so lyt Singè un au Ewedingè i sellèm Berych, wo s „ch“ un s „k“ scho mit em Rachelutt „chrätzt“ wörd, anderersits sait mò z Grimmelzofè schu Sòapfè statt Seifè un Lòatèrè aschtell vo Leitèrè, woby s ei wiè im Boddèseealemannischè zuè òa wörd. Z Mulifingè uf de Baar gitts no èn lychtè schwôbischè Eischlag.[9]

GrammatikBearbeite

„Das alemannische kennt keinen Genitiv: ‹meines Mannes› wird zu vu minem Maa oder ‹das Buch seiner Kollegin› wird zu sinere Kollegin ihr Buech. Weiter: es gibt keine einfache Vergangenheit (machte, schlief), kein Partizip Präsens (singend, schreiend) und das Relativpronomen wird immer mit wo ergänzt (der, die, das wo). Vor bestimmten Lauten fällt die Vorsilbe ge- beim zweiten Partizip weg -brocht, denkt, gange für ‹gebracht, gedacht, gegangen›. ...“

Stefan Pflaum, zur Grammatik in der alemannischen Mundart in Baden

[10]

Wortschatz und UssprochBearbeite

De Dichter Bruno Epple hot Werter im bodeseealemanniche Sprochgbrauch zsammegstellt, wo mer us em Mittelhochdeutsche ableite kaa. E paar Beispiel: lupfe (heben), hebbe (halten), lampe (hängen), jucke (hüpfen), schucke (stoßen), klepfe (knallen), keie (fallen), brinzle (urinieren).[11]

De Dichter Hanspeter Wieland hot uffs ghackte Spreche uffmerksam gmacht. E kurze Betonung liggt uf de erste Wort-Silbe mit em Vokal: Reggl (Regel), Schnabbl (Schnabel). Wenns Wort mit -el uffhört, wird es e usglasse wie bei Nabl (Nabel). Konsonante werret kurz usgsproche, mer kaa sagge verdoppelt: Boddesee (Bodensee), Vatter (Vater).[12]

Vu de andere alemannische Sprochbildunge hebbt sich es Bodeseealemannische bsunders durch d Verwendung vu de Endig "-et" statt "-e" bei Verbe in de 1. und 3. Person Plural ab. Z. B. "mähet" statt "mähe" (uf Hochdeutsch: "mähen"). Ibbergäng zu de Schwäbische Sproch gitts immer. In Friedrichshaffe, Lindau, oder em Weschte vum Allgäu wird selle Mundart aus historisch-politische Gründe efters Schwäbisch gnennt.

Innerhalb vum Bodeseealemannisch isch d Entrundig e uffellige Unterscheidig zwische Nord und Süd. Im Norde do hossts Hiiser, sche(n), im Süde - im greschte Deil vu Voradelbärg - hossts Hüüser, schö(n).

Pflege und Erforschung vum BodeseealemannischeBearbeite

Uf Bodeseealemannisch gitts au Biecher ibber alltägliche Begebeheite, wo unter Literatur uffgfiert sind. E bodeseealemannische Gruppe vu de Muettersproch-Gsellschaft, d Seealemanne, mit um die 130 Mitglieder, trifft sich in Konschdanz.[13] In de Volkshochschul Ibberlinge gitts en Kurs fir alemannische Vokable. Aan de Universidät Konschdanz wird au ibber d (See-)Alemannische Sproch gforscht (Eleonore Brandner).[14] Aan de Universität Tübingen werret in de Wiso-Fakultät d Sproche und d Sprochgrenze in Südwestdeitschland erforscht und in Tondokumente im Arnold-Ruoff-Archiv gschpeichert.[15]

Lueg auBearbeite

LiteraturBearbeite

TheoriiBearbeite

  • Hugo Steger, Karlheinz Jakob: Raumgliederung der Mundarten. Vorstudien zur Sprachkontinuität im deutschen Südwesten. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-007999-9
  • Konrad Kunze: Alemannisch - was ist das? Grenzen, Geschichte, Merkmale eines Dialekts. In: Hubert Klausmann, Konrad Kunze, Renate Schrambke: Kleiner Dialektatlas. Alemannisch und Schwäbisch in Baden-Württemberg. Waldkircher Verlags-Ges., Waldkirch 2001, ISBN 3-87885-337-8
  • D Alemannische Sprochatlante
  • Alfons Semler: Die Mundart im Gebiet des Überlinger Sees. In: Badische Heimat 23 (1936) S. 180-186.
  • Hans Flügel: We d’ Singemer früehner gschwätzt hond - Unterhaltsame Mundartkunde. Singen/Hohentwiel 1995 (Hegau-Bibliothek 95)

WerterbiecherBearbeite

  • Peter Auer, Karl Joos: Kleiner seealemannischer Wortschatz. Gehoben auf Konstanzer Grund. Seealemannische Mundartbücher. Konstanz 1988, ISBN 3-922305-34-2
  • Hubert Freyas, È baar alemannische Dialègdbroggè. In: Gisela Bachmann (Hrsg.): Markdorf. Geschichte und Gegenwart. Freiburg o.J. (um 1994). ISBN 3-923937-83-0
  • Walter Fröhlich (Pseudonym Urban Klingele): Alemannisch für Anfänger. Singen 1978. 35 S. Nachdruck 1988
  • Ernst Fuchs: Besondere Ausdrücke und Wendungen der Stockacher Mundart. In: Hegau 29 / 30 (1972/73), S. 191–204. [Forts.] In: Hegau 35 (1978), S. 177–184
  • (de/als) Bruno Epple: Wosches. Band 1 und 2. Südkurier GmbH, Konstanz. (Erklärunge vu (see-)alemannische Spezialusdrück in schriftdütsch. Fir Selle, wo schriftdütsch schwätzet und es seealemannische verstande wellet).
  • (de/als) Bruno Epple: Wosches 3. Südkurier GmbH, Konstanz 1983. (Erklärunge vu (see-)alemannische Spezialusdrück in schriftdütsch. Fir Selle, wo schriftdütsch schwätzet und es seealemannische verstande wellet). ISBN 3 87799 038 X

Biecher uf BodeseealemannischBearbeite

  • (als) Rosemarie Banholzer: Glacht und sinniert. Seealemannische Mundartgschichtle. Konstanz 1988, Selbstverlag. ISBN 978-3-9800634-5-6
  • (als) Rosemarie Banholzer: Geschichten von Wilhelm Busch in alemannischer Mundart. Konstanz 1999. Max und Moritz, Hans Huckebein, Plisch und Plum, übertragen in's Alemannische. ISBN 3-9806314-1-9
  • (als) Rosemarie Banholzer: Mitenand vewobe, conceptdesign gmbh, Konstanz 2000, Illustrationen von Beate Padberg. ISBN 3-9806314-4-3 (Im Aanhang sind e paar Seite mit Usdrück uf Bodeseealemannisch und was es uf Schriftdeutsch hosst)
  • (als) Rosemarie Banholzer: Alemannisch kocht und gschwätzt. Mit Cartoons von Peter Gayman, concept design gmbh, Konstanz 2002. ISBN 978-3-00-018654-7.
  • (als) Rosemarie Banholzer: Wenn's weihnachtet. Band 2. Gedichte und Kurzgeschichten in Mundart. Konstanz, 3. Auflage 2005.
  • Rosemarie Banholzer: Wenn de Evangelischt Lukas alemannisch gschwätzt het. Das Lukasevangelium mit Bildern von Christine Schmidt-Heck. Weidling Verlag, Stockach-Wahlwies 1992. ISBN 978-3-922095-25-5.
  • (als) Walter Fröhlich: S Bescht und s Schänscht vum Wafrö. Stadler, Konstanz, Januar 2002
  • (als) Walter Fröhlich: Wie mer's macht isch's nint. Denkt de Wafrö. Stadler, Konstanz, Juli 2002
  • (als) Walter Fröhlich: So isch worre. Stadler, Konstanz, 2000
  • (als) Walter Fröhlich: Wa i denk – wenn i denk. Be- und sinnliche Gedichtle. Stadler Verlagsgeselschaft mbH, Konstanz 1986, ISBN 3-7977-0150-0
  • (als) Walter Fröhlich: S wird all bleder mont de Wafrö. Stadler, Konstanz, Juli 2002
  • (als) Walter Fröhlich: Jessesna - isch des ä Lebe. 1988
  • (als) Hanspeter Wieland: Sonigs und Sottigs. Dreizehn Mundart-, Alltags-, Klang- und Singgedichte. B. Schlottke, Immenstaad 1984/85.
  • (als) Hanspeter Wieland: Bappele hinterefier. Alemannische Gedichte. Drey-Verlag, Gutach 1995. ISBN 978-3-980463-61-3.
  • (als) Hanspeter Wieland: Schineggler. Alemannische Gedichte aus der Fabrik mit einem Nachsatz in Schafseckel-Deitsch. Drey-Verlag, Gutach, 1999. ISBN 3-933765-01-3.
  • (als) Hanspeter Wieland: Omma häckerlet de Gaate. Alemannische Gedichte. Drey-Verlag, Gutach, 2001. ISBN 3-933765-08-0.

D Dichter in Seealemannisch mitenandBearbeite

WeblinkBearbeite

QuelleBearbeite

  1. Freizeitführer Bodensee. Verlag Freytag-Berndt u. Artaria, Wien, ca. 2008, ISBN 978-3-85084-813-8, S. 8: Geschichte
  2. (de) Renate Schrambke: Die Gliederung des alemannischen Sprachraums. Internetsite aagschaut am 16. Juli 2011
  3. Gegende und ihrene Städt, wo seealemannisch schwätze. Internetsite aagschaut am 20. Auguscht 2012
  4. „Obwohl ich den Begriff ‚Bodenseealemannisch‘ selbst verwende, bin ich mir seiner Problematik bewusst. Er reicht von der nördlichen Baar über den nördlichen Bodensee und Vorarlberg bis fast an die rätoromanisch-italienische Sprachgrenze. Es ist doch unbefriedigend, dass man in Villingen und in Liechtenstein angeblich Bodenseealemannisch spricht, am Bodensee selbst, so etwa in Romanshorn am Schweizer Ufer, aber gerade nicht. Denn da spricht man Südalemannisch!“ Zitiert aus: Rudolf Post und Friedel Scheer-Nahor: Alemannisches Wörterbuch. G. Braun Buchverlag, Karlsruhe 2010. ISBN 978-3-7650-8534-5. S. 13.
  5. „Du ahnst nicht, wie reich der alemannische Dialekt hier am See ist. Er ist ja eigentlich überall der gleiche. Nur die staatliche Einteilung in die fünf Uferstaaten hat die starken Einflüsse aus den Hinterländern gebracht. In Bregenz reden die Leute österreichisch, in Lindau bayerisch, in Friedrichshafen württembergisch, in Konstanz badisch und am Schweizer Ufer schweizerisch alemannisch - - ...“ Zitiert aus: Lilly Braumann-Honsell: Bodensee ahoi! Oberbadische Verlagsanstalt Merk & Co., K.-G., Konstanz 1947. (Segelturn von der Reichenau, unter der Rheinbrücke nach Konstanz, Überlingen, Friedrichshafen, Lindau, Bad Schachen, Rorschach, Allensbach, Stein am Rhein. Eine Rundfahrt aus Seesicht im Plauderton.), S. 3
  6. Narrentreffen in Allensbach. Übertragung im SWR am 8. Februar 2009, 13:15-16:15
  7. Rolf Zimmermann: Am Bodensee. Verlag Friedrich Stadler, Konstanz 2004. ISBN 3-7977-0507-7, S. 105
  8. Uli Fricker: Dialekt - kein schlechtes Deutsch, nur anderes, Diagramm: Die alemannische Dialektfamilie, Quelle: Renate Schrambke. Im: Südkurier vom 1. März 2010 (Site cha nüme abgrüeft wärde; Suche im Webarchiv)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.suedkurier.de
  9. Waltraud Schwarz: Napoleons Soldaten und der Dialekt. In: Südkurier vum 15. Oktober 2011, Teil RS.
  10. Stefan Pflaum: Zur alemannischen Mundart in baden. In: Uli Führe und Stefan Pflaum: Woni sing un stand. Ein grenzüberschreitendes alemannisches Liederbuch. G. Braun Buchverlag, Karlsruhe 2012. ISBN 978-3-7650-8620-5. S. 15-17
  11. Bruno Epple: Keine Verteidigung des Alemannischen. „Mir hond des it neetig“. In: Leben am See. Das Jahrbuch des Bodenseekreises, Band XXVII, Verlag Senn, Tettnang 2011, S. 61-69.
  12. Hanspeter Wieland: Die Ästhetik des Kürzens. Kleine Überlegung zu den kurzen Vokalen im Bodenseealemannischen. In: Leben am See. Das Jahrbuch des Bodenseekreises, Band XXVII, Verlag Senn, Tettnang 2011, S. 50-54.
  13. (de/als) E seealemannische Gruppe zwische Konschdanz und Immestaad, wo alemannisch schwätzt
  14. Kathrin Streckenbach: Sorge um ein Stück Heimat. In: Südkurier vum 20. Februar 2012
  15. Dialekt bi www.wiso.uni-tuebingen.de